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    Wir waren auf dem Fankongress und haben es überlebt! - Teil 1 des MM-Rückblicks

    Unter den über 500, laut Medienberichten der letzten Monaten, Pyromanen, Polizeischlägern und Krawallbrüdern, waren auch drei Vertreter der Meenzer Metzger 1999 auf dem diesjährigen Fankongress in Berlin am zweiten Januarwochenende vertreten.
    Ganz im Gegenteil des Bildes der Presse zur Spezies „Ultra“ verlief der Fankongress absolut friedlich, konstruktiv und top-organisiert. Nochmal von uns persönlich an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren!

    Vor ein paar Tagen ist das offizielle Resümee von USM, HKM und uns zu dieser gelungenen Veranstaltung auf den bekannten Onlineplattformen erschienen. Wir möchten nun aber auch nochmal zusätzlich die Möglichkeit in unserem Blog ergreifen auf einige Themen des Fankongresses aus unserer persönlichen Sicht einzugehen.

    50+1 – So läuft’s in Mainz!

    Einer der ersten Diskussionsrunden beschäftigte sich mit dem Thema „50+1 Regel und welches Mitspracherecht haben die Fans bei ihrem Verein“. Prominentester Gast dieser Runde war Martin Kind (Präsident Hannover 96). Sein Ziel ist es, dass jeder Verein die Möglichkeit hat eigenständig zu entscheiden, ob er die Mehrheitsanteile an einen Investor verkauft oder nicht.



    Aktuell wird dies durch die 50+1 Regel und einem strengen Auge von DFB und DFL reglementiert. Aus Sicht eines Vereinsvorstandes, der in erster Linie für den sportlichen und den finanziellen Erfolg zuständig ist, mag es interessant sein, jemanden zu haben, der namhafte Spieler und damit oftmals sportliche Erfolge finanziert.
    Allerdings investieren diese Leute nicht aus Spaß, sondern um aus viel Geld, noch mehr Geld zu machen.
    Dass das oftmals nicht so funktioniert, wie man sich das vorstellt, brauchen wir hier nicht zu erörtern, denken wir. Dass man dann sein “Spielzeug” oftmals einfach wieder fallen lässt, auch nicht…
    Sicherlich ging Herr Kind in seinen Ausführungen darauf ein, dass für ihn nur Investoren aus der Region in Frage kommen, aber ist diese Art von Geldbeschaffung einmal für alle Vereine freigegeben, würde der Deutsche Fußball auf eine schlimme Entwicklung wie in England (auf die aktuelle Situation in England gehen wir auch noch ein) nehmen.
    Vereine werden dann vor die Frage gestellt, ob sie den Trend mitgehen möchten oder ob sie ihren Werten treubleiben und nicht mehr im Konzert der Großen mitspielen können.

    Es wird sich auch, sollten z.B. alle Vereine der 1. Liga einen Investor haben, nur eine Verschiebung der zur Verfügung stehenden Etats geben, aber die Abstände zwischen z.B. Bayern und Mainz bleiben gleich. Warum? Na, das ist doch recht einleuchtend: Vereine, die bereits jetzt über sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg, ein großes, modernes Stadion und eine gute Fan-Basis verfügen wie bspw. Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04, werden für Investoren entsprechend attraktiver sein, als Vereine wie Hannover 96 oder der SC Freiburg.
    Das ist der Faktor, den Herr Kind außer Acht zu lassen scheint.
    Das einzige was dann alle Vereine gleich haben werden ist, hohe Eintrittspreise und ein paar reiche Konsumenten, um es überspitzt darzustellen.

    Eine derartig schlimme Entwicklung mit Änderung der Vereinsfarben und –logo, idiotischer Bespaßung des Publikums und der Einschränkung jeglicher Rechte als traditionsbewusster Fan, haben unsere Freunde aus Salzburg von der Austria miterleben „dürfen“. Sie stehen quasi sinnbildlich für eine Entwicklung, vor der es jedem Fußballfan graut.
    In Salzburg wollte man diese Entwicklung nicht hinnehmen, man wollte sich seinen Verein, seinen Sport nicht nehmen lassen und man trennte sich von dem Büchsenhersteller, der die ursprüngliche Austria einfach ausgeweidet und neu angestrichen hatte und gründete die Austria neu. Heute steht der Verein SV Austria Salzburg vor dem Aufstieg in die zweite österreichische Liga und die Fans können weiterhin extrem stolz Woche für Woche ihren Verein unterstützen!

    Neben DFB und DFL hat auch der Fan die Möglichkeit seinen Verein daran zu hindern in Zukunft einem Investor die Mehrheitsanteile zu verkaufen: Werdet Mitglied und gestaltet euren Verein aktiv mit! So könnt ihr bspw. bei der Mitgliedsversammlung für eine Änderung der Satzung stimmen bzw. diese beantragen. Diese Satzungsänderung würde verhindern, dass ohne Zustimmung der Fans die Mehrheitsanteile nicht in fremde Hände gelangen.

    Wie ist es in Mainz? In Mainz haben ist die Lizenzspielerabteilung nicht ausgegliedert, somit kann aktuell kein Investor sich bei Mainz 05 beteiligen. Auch nicht mit 1%. Dies ist für das deutsche Profigeschäft eine Seltenheit. Darauf können wir zurecht stolz sein, und dennoch gilt es dies zu bewahren und andere Tendenzen rechtzeitig zu erkennen und Einfluss zu nehmen!

    Vor wenigen Jahren wurde zwar über das Thema die Lizenzspielerabteilung auszugliedern diskutiert, aber nach einem Beschluß der Mitgliederversammlung zu den Akten gelegt. Somit kann in den Verein nicht im klassischen Sinne investiert werden (z.B. keine Gewinnbeteiligung und regelmäßige Zinsen).

    Zusätzlich wurde 2009 von den Supporters Mainz erfolgreich eine Satzungsänderungen eingebracht. Die Satzung von Mainz 05 besagt damit im Punkt “Aufgaben der Mitgliederversammlung”:

    “…die Beschlussfassung über die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung und wesentliche Veränderungen der Vereinsstruktur. Ein Beschluss zur Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung (Vereinsabspaltung) bedarf einer 3/4 Mehrheit der anwesenden Mitglieder.”

    Damit ist diese Aufgabe zwingend an die MV gebunden und zudem mit 3/4 ziemlich hoch abgesichert. (Vielen Dank an Udo Seyfarth von den Supporters Mainz für die detailierten Infos).

    Auch der Supporters Club Hamburg hat die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung des HSVs verhindert.

    Es gilt also Augen und Ohren offen zu halten, sich zu informieren und einzubringen und im entsprechenden Falle organisiert zu handeln.
    Wollen wir hoffen, dass dieser Fall, von dem wir gerade sprachen, in Mainz und möglichst auch sonstwo nicht eintreten wird!

    Eure Meenzer Metzger


    Tagged: 50+1, 50+1 Regel, Fankongress, Fankongress Berlin 2012, Martin Kind, Fanpolitik,
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