Offener Brief an Harald Strutz
Sehr geehrter Herr Strutz,
ein Artikel in der Allgemeinen Zeitung Mainz (http://www.allgemeine-zeitung.de/sport/top-clubs/mainz-05/12681606.htm) mit Aussagen von Ihnen hat uns dazu bewogen, ja fast schon genötigt, Ihnen heute einen Brief zu schreiben. Dort behaupten Sie, die Mainzer Ultras hätten für das Heimspiel gegen Stuttgart zu einem Boykott der Stimmung aufgerufen. Das ist nicht richtig. Vielmehr wurde darauf verzichtet, die Stimmung zu koordinieren und jedem freigestellt, ob er sich an einem Protest beteiligen möchte. Weiterhin wurde dazu aufgerufen, die Entscheidung der jeweils anderen Partei zu respektieren. Dies war das Ergebnis von Ohnmacht und Ratlosigkeit aufgrund der Absegnung des Sicherheitspakets am 12. Dezember, auf das wir nicht näher eingehen wollen. Zumindest ging es unserer Gruppe so, weshalb sie sich schlussendlich dafür entschied, es ebenfalls jedem selbst zu überlassen, ob und wie er die Mannschaft unterstützt. Schließlich konnten und wollten wir nicht so tun, als sei am 12.12. nichts geschehen.
Weiter sprechen Sie von einer „Solidarität der wahren Fußball-Fans“ und treiben damit einen Keil in die Fanszene von Mainz 05. Wer sind die wahren Fans? Und wer bestimmt das? Sind wir nicht alle Mainz 05-Fans? Diejenigen, die alle zwei Wochen zu den Heimspielen kommen? Diejenigen, die unsere Mannschaft nur vor dem Fernseher verfolgen (können)? Aber nicht auch die, die zu JEDEM Spiel unserer Mannschaft fahren, immer und überall? Die Urlaubstage und Geld opfern um das Team, in aller Regel, 90 Minuten fast bedingungslos zu unterstützen? Die aber auch kritisch sind und nicht alles abnicken, was im Verein und im Fußball generell passiert? Steht es Ihnen zu zu beurteilen, wer wahrer und wer falscher Fan ist?
Ihre nächste Aussage schlägt dem Fass dann leider den Boden aus: „Sich hinzustellen und zu sagen: Ich mache nichts - das geht auch nicht. Dann sollen sie halt zu Hause bleiben.“ Herr Strutz, würden Sie das auch den Besuchern auf den VIP-Plätzen und in den Logen der Haupttribüne sagen, die auch oftmals nichts zur Stimmung beitragen. Die Minuten vor dem Halbzeitpfiff ihre Plätze verlassen um ans Buffet zu stürmen und dann wiederum nach der Halbzeit erst später wieder auf der Tribüne Platz nehmen. Die auch gerne mal bei einem Rückstand in der 80. Minute nach Hause gehen. Auch wir bezahlen Eintrittsgeld. Wir unterwerfen uns mit Betreten des Stadions auch nicht der Verpflichtung, Stimmung zu produzieren. Dies machen wir alles aus Liebe zum Verein, aus Liebe zur Stadt, aus Leidenschaft. Ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Aber sprechen Sie uns weder unser Fan-Sein ab, noch verlangen Sie, dass wir zu Hause bleiben sollen, wenn wir einmal nicht wie gewohnt hinter der Mannschaft stehen (können). Haben Sie, Herr Strutz, oder die anderen Besucher des Stadions einen Anspruch auf unseren Support? Also einen Anspruch auf unsere Emotionen und unsere Leidenschaft? Einen Anspruch darauf von uns unterhalten zu werden? Unserer Meinung nach nicht.
Herr Strutz, fahren Sie doch lieber mal auswärts im Zug oder im Bus mit. Lernen Sie die Fans näher kennen, ihre Beweggründe und Ansichten. Sprechen Sie mit ihnen. Sie rufen regelmäßig dazu auf, miteinander und nicht übereinander zu sprechen. Halten Sie sich dann bitte auch selbst an Ihre Forderungen.
Mit rot-weißen Grüßen,
Meenzer Metzger ‘99