Rückblick: Europa-League - oder ein unvergesslicher Ausflug in das Reich der Blutsauger
Als am 14. Juli abends gegen sieben die Entscheidung gegen Finnland und für Rumänien gefallen ist, war der erste Europa-League Ausflug in diesem Jahr geboren.

Noch Flug, Hotel und Transfers vor Ort organisieren, und nach einem mäßigen 1:1 im Hinspiel ging es am 04. August 2011 morgens um halb vier von Mainz aus in Richtung Dortmund, um mit einer ungarischen Billigfluglinie nach Targu Mures aufzubrechen.
Die knapp zwei Stunden in der Luft vergingen sprichwörtlich wie im Fluge, da der Flieger mit einigen anderen Mainzern geteilt wurde. Es herrschte eine Atmosphäre wie in einem Auswärtsbus, viele standen mit Bierdose in der Hand im Gang rum.
Pünktlich um 11 Uhr morgens, bei gefühlten 30°C wurden wir von unserem rumänischen Fahrer Zoli, der Vater von bildhübschen, international Fußball spielenden Zwillingstöchtern, abgeholt und zum Hotel gebracht.
Unser Hotel - wir gönnten uns das teuerste Zimmer der Stadt - war ein fünf Sterne „Palast“ in der Innenstadt von Targu Mures.
Ausgestattet war die 70qm Luxus Suite unter anderem mit zwei Flatscreens, einem riesigen Balkon und einem Whirlpool im Badezimmer.
Als die Zimmer bezogen waren, wurde die Minibar mit frisch gekauften Ursus, Ciuc und sonstigen Erfrischungsgetränken aufgefüllt, ehe es über viele Dörfer und Landschaften zusammen mit Zoli nach Medias ging.
Unterwegs durften wir uns ein Bild machen von den örtlichen Zuständen - so leben in den meisten Dörfern über 70% Sinti und Roma, die zum Teil nur Pferdekarren besitzen.
Obwohl uns die 60km auf der 1,5h langen Fahrt von Targu Mures nach Medias wie Stunden vorkamen, erreichten wir unser Ziel rechtzeitig.
Nach einem zünftigen Mittagessen in der “Traube” ging es im Mainzer Mob zum Medias- Stadion.

Von außen sah das 8.500 Zuschauer fassende, im schlichten blau-gelb gefasste Stadion aus unserer Sicht nicht unbedingt einladend aus, und unser Eindruck wurde spätestens bei der Sicherheitskontrolle bestärkt - Gästefans sind hier entweder seltene Zeitgenossen oder einfach unerwünscht.
So wurden wir gleich doppelt kontrolliert - ein Mal vor und ein Mal nach dem Drehkreuz, mussten sämtliche zum Werfen geeigneten Gegenstände abgeben (Feuerzeuge, Schlüssel, Sonnencreme, etc.) und unsere Ordner im Block waren wie Polizisten bewaffnet.
Da es in Rumänien unter Strafe verboten ist, alkoholische Getränke in der Öffentlichkeit zu trinken oder zu verkaufen, gab es im Block lediglich einen kleinen Tisch, auf dem ein Händler Limo in Bechern, Sandwichs und Sonnenblumenkerne verkaufte.
Kleine Anekdote am Rande: als während der zweiten Halbzeit die Becher aufgebraucht waren, wurden die benutzten, im Block auf dem Boden liegenden Becher wieder eingesammelt und erneut verwendet…!
Zum Spiel wurde schon zu viel gesagt; an dieser Stelle nur so viel: 0:1, 1:1, Ende, Verlängerung, Elfmeterschießen, verloren, fertig!
Nach dem Spiel suchten wir noch unter Mithilfe örtlicher Polizeibeamter (die, und das sei hier kurz lobend erwähnt, uns sehr zuvorkommend behandelten) unseren verloren gegangenen Fahrer, ehe wir mit diesem die Rückreise nach Targu Mures antraten.
Zurück im Hotel wurde noch der Jacuzzi ausprobiert, das restliche Bier geleert und irgendwann fand jeder den Weg in sein Bett.
Am nächsten Morgen, nach dem Besuch des Frühstücksbuffets, trafen wir uns mit unserer reizenden Stadtführerin Anca, die uns in den nächsten Stunden die Vorzüge von Targu Mures zeigen sollte.

So besuchten wir die orthodoxe Kirche, die evangelische Kirche, die Festung und, für Fußballfans selbstverständlich, das alte und neue Stadion des Futbal Club Municipal Targu Mures.
Als Dank für eine wunderbare Stadtführung luden wir Anca zum Essen ein - in ein Restaurant mit klassischer rumänischer Küche und leckerem deutschen Bier.
Final verabredeten wir uns mit ihr, um abends die Clubszene von Targu Mures unsicher zu machen.

Zurück im Hotel wurden die Beine hochgelegt, restliche Biervorräte aufgebraucht oder neu gekauft, zu feiner rumänischer Dance-Musik wie der von Don Omar & Lucenzo oder Amna getanzt und sich für abends schick gemacht.
Gegen 20 Uhr machten wir uns auf den Weg in die Stadt, trafen zwischenzeitlich noch weitere Mainzer, kehrten zum Aufwärmen in eine Kneipe ein, ehe wir uns pünktlich um 22 Uhr am Jazz Club Targu Mures mit Anca trafen.
Die Nacht in diesem Club sollte legendär werden - nicht nur weil die Preise für Cocktails, Bier und Kurze im Vergleich zu dem Gewohnten daheim spottbillig waren, sondern auch, weil es in diesem Club offensichtlich keine hässlichen Frauen gab.
Gegen halb drei nachts spaltete sich die Gruppe - die eine Hälfte wollte weiterhin im Club tanzen, die andere eine Nacktmopsbar aufsuchen. Details werde ich nicht preisgeben, sonst kommt der NEID-AAL zu Besuch!
Um halb fünf nachts wurden wir wiederum von Zoli abgeholt und zum Flughafen Targu Mures gefahren. Mit dem Flieger um sechs Uhr ging es zurück in das verregnete Deutschland, wo wir nach anstrengender Fahrt - danke von dieser Seite auch an unsere beiden Fahrer - gegen 12 Uhr glücklich und heil zurück in Mainz waren.
Rückblickend war unser erster und letzter Auftritt auf europäischer Bühne im Jahr 2011 natürlich fußballerisch deprimierend, hervorzuheben ist aber, dass Rumänien ein faszinierendes Land mit besonderen Reizen ist und sich die Fahrt auf jeden Fall gelohnt hat!
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